Mittwoch, Juni 13, 2007

Hanghzou, die Oase der Ruhe (fast)

Xiamen hatte sich von mir verabschiedet so wie es im Durchschnitt in den drei Tagen dort war, mit Regen. Voller Hoffnung auf besseres Wetter und mit einigen Erwartungen bin ich dann vergangenen Freitag in Xiamen in den Zug nach Hanghzou gestiegen.

Hanghzou liegt etwa 2 Stunden westlich von Shanghai und knappe 22 Stunden mit dem Zug von Xiamen. Es galt also einen relaxten Tag im Liegewagen der Chinesischen Staatsbahn hinter sich zu bringen. Die Organisation des Zugtickets hatte ich für das erstemal aber doch lieber der Hostelrezeption überlassen, die das für mich sogar kostenlos erledigt hatten. Da ich aber das Ticket erst am Nachmittag zuvor bestellt hatte und das erst gegen 5 Uhr Nachmittags, konnte das Ticket nicht mehr zum Hostel zugestellt werden und ich musste das Ticket am Bahnhof abholen. Die nette Chinesin im Hostel meinte nur ich brauch nur hingehen und zu sagen das ich vom Hostel komme. Hmmm, logisch würde ich einem Chinesen im tiefsten Bayern auch rate: Jo da hät ma ma äh Billet für eh Tschimmm Kaiii Cheung. So in etwa stellte ich mir das in Bayern vor und dann das Gesicht des Chinesen der in seinem Deutschen Wörterbuch eher wortlos vor der Ticketbude steht.

Nunja jedenfalls war mir das klar das die bestimmt nicht wissen was ich will. Daher lies ich mir in Chinesisch von der Rezeption einen halben Roman aufschreiben mit allen was ich für wichtig empfand das die in dem überfüllten Bahnhof etwas damit anfangen konnten. Den Rest des Abends hatte ich dann Biertrinkend auf dem Zimmer verbracht und mich mit den beiden angekommenen Amerikanern unterhalten die in Shanghai arbeiten. Konnte so ein paar gute Tipps für Shanghai holen und die beiden waren ganz überrascht als ich Ihnen vorrechnete wie günstig Sie von Shanghai nach Australien kommen. Jedenfalls saßen die beiden danach schon so halb gedanklich im Flieger nach Australien ;-).

Nächsten Morgen ging es dann mit der Fähre aufs Festland und mit dem Taxi zum Bahnhof. Taxis in China sind eine preisgünstige Angelegenheit, man zahlt etwa 1 Euro für die ersten 3 Kilometer und danach 30 Cent für jeden weiteren. Im Verhältniss aber zum Bus der nur etwa 30 Cent kostet ist das dann aber fast schon wieder teuer.

Angekommen im Bahnhof stellte sich nur heraus das meine Vorahnung der Verhältnisse am Bahnhof absolut gestimmt hatten. Da schon die Beschreibung der Rezeption wo ich das Ticketbüro finden müsste schon nicht gestimmt hatte, hatte ich dann nur einen der Polizisten meinen Zettel gezeigt und der hatte mich dann ans Ziel geleitet. Übringends wenn man als Fremder an einen Schalter oder Information kommt merkt man manchmal gleich ob die Leute den Umgang mit fremdsprachigen Touristen gewohnt sind oder nicht. Wenn nicht dann setzen die meisten jungen Chinesen ein Lächeln auf das sich bis an beide Ohren hochzieht und kichern oder starren einen nur ungläubig an. Ich als Chinesischer Analphabet gab Ihnen dann meinen Zettel und danach kümmerten sich 4 Angestellte um mein Anliegen. Nach einigen Telefonaten, gekichere, gelächele und fragenden Blicken wurde ich dann von Dame, die ein rotes Banner mit Symbolen umgehängt hatte, durch die Sicherheitsschleuse geleitet und dann in ein Separè geleitet. Wie aus dem Nichts tauchte dann ein Kassierer mit meinem Ticket auf und nach wenigen Minuten hatte ich mein Ticket in der Hand. Die nette Dame zeigte mir dann noch den korrekten Weg zum Warteraum und ich war auf dem Weg nach Hangzhou. Das nenne ich doch mal Kundenservice.

In den chinesischen Schlafabteilen der Züge kann man zwischen zwei verschiedenen Varianten entscheiden. Soft & Hardsleeper, das erstere ist die gehobene Klasse bei der nur 4 Personen ein Abteil teilen und dieses auch per Tür abgeschlossen werden kann. Des weiteren besitzt es Zugang zu einer westlichen Sitztoilette und jeder Wagong hat einen persöhnlichen Kellner der einem die Kissen zurecht rückt. Hardsleeper, heist nicht deswegen Hard weil man auf Brettern oder ähnlichem sitzt, nein das bezeichnet einfach nur die unterste Preiskategorie, die es normalerweise gibt. Wenn man in einem Hardsleeperschlafabteil unterwegs ist muss man damit rechnen, dass in einem Wagong etwa 8 bis 10 Abteilungen mit jeweils 6 Stockbetten zu je 3 auf jeder Seite vorhanden sind. Summa summarum sind das dann etwa 60 Leute in einem Abteil, ohne Türen, mit chinesischer Stehtoilette aber mit gestellter Decke und Kopfkissen. Die Betten übringends sind manchmal besser als in manchen Hostels in denen ich auf meiner Reise geschlafen habe.

Die Fahrt verlief anfangs ganz normal, hatte meinen Ipod angschmissen und einige Hörspiele angehört die ich frisch "organisiert" hatte. Zur Mittag, Abends und Frühstückszeit fährt dann immer ein kleiner Speißewagen durch die Abteile und bietet für einen Euro Essen an. Kulinarisch darf man hier nicht zu viel erwarten, das letzte Mal als ich in China war hatte ich Hühnerfuß mit Reis und gekochten Salat. Jedenfalls hattes es ganz interessant ausgeschaut und ich hab zugegriffen. Nach dem ich satt war hatte ich mich dann auch an die Analyse des Essens gemacht. Meine Schwester mit Ihrem Hobby als Lebensmittelchemiker ;-) hätte mir Gesellschaft leisten können aber auch meine unerfahrenen Augen konnten das Essen als Schweinemagen an Reis mit gekochtem Salat entarnen. Geschmacklich etwa etwas besser als die Orginal Bratwurst nach Bayerischer Art in Christchurch (blättert nach unten falls ihr es vergessen habt).

Alle Chinesen in meinem Kompartment konnten leider kein Englisch, so beschränkte sich die Kommunikation auf Lächeln. Selbst meine angebotenen leckeren Kokuskeckse aus Xiamen wurden dankend abgelehnt, dafür habe ich aber ein paar leckere Litchies bekommen, die frisch tausend mal besser schmecken als aus der Dose.

Nachmittags hatte mich dann eine Chinesinn angesprochen mit dem üblichen "Hello where you from", das einem hier zu hundert entgegen gesprochen wird wenn man über einen Platz läuft. Zu erst dachte ich ok, üben wir mal wieder etwas Englisch, es stellte sich aber heraus das sie doch ziehmlich flüssig sprach. Der Grund warum Sie mich angesprochen hatte war auch das die Chinesen in ihrem Abteil gewettet hatten um mein Alter und Sie nun als Schiedsrichterin es in Erfahrung bringen sollte. Die meisten hatten mich älter eingeschätzt nur Sie selbst war mit 25 noch am nähesten drann. Somit entstannd dann auch eine ganz entspannte Laberstimmung die nicht auf einseitigen Fragen bassiert war. So konnten übringends auch meine Chinesen im Abteil doch nun auch Ihrer Fragen an mich über die Chinesin los werden. Wie alt ich denn sei, wo ich denn herkomme ob ich verheiratet bin und so weiter. Was Sie allerdings am meisten beeindruckt hatte war das ich allein unterwegs war und ich kein Wort Chinesisch reden, lesen oder schreiben konnte, da war selbst die Bauersfrau beeindruckt. War eine tolle Begegnung und ich konnte so auch doch mal einiges aus erster Hand erfahren. Zum Beispiel das ganz China, also alle Schulen, die meisten Betriebe ob staatlich oder privat alle zur gleichen Zeit Ferien haben. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Chinesen vereisen gerne im eigenen Land und wir sprechen hier von Millionen die gleichzeitig unterwegs sind. Solche Zeiten heist es absolut zu meiden da Hotels und Restaurants teilweise doppelte oder dreifache Preise dann haben (auch die YHA Hostels). Die Nacht war sehr entspannt und ich konnte angenehm bis morgends um 4 durch schlafen, bis die ersten Passagiere aus meinem Abteil an Ihrem Ziel angekommen sind.

Da die Chinesin (deren Name ich leider nicht merken konnte) kein Hotelzimmer hatte und sie begeistert war das ich nur 40 Yuan (4 Euro) für die Nacht bezahle. Hatte Sie sich kurzerhand sich mir angeschlossen. Lustig war das sie dann gerne den Weg angeben wollte zum Taxistand, ihn aber nicht wusste und an jeder Ecke nachgefragt hatte und damit es eher noch komplizierter gemacht hatte ;-). War aber super gewesen denn dadurch war dann die Unterhaltung mit dem Taxifahrer um einiges einfacher, da ich erst im Taxi merkte das der blöde Lonelyplanet den Hostelnamen nur auf Englisch und ohne die Chinesischen Symbole abgedruckt hatte. Sie konnte dann durch lange Diskussion herausfinden das es drei Hostels gab (wusste ich), jedenfalls habe ich dann den Taxifahrer zur Art Academy geschickt, denn die war auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Das Hostel in Hangzhou ist super, tolle Lage direkt am See, ein gemühtlicher Innenhof wo man sich hinsetzen und reden kann. Im Zug hatte ich in einer Zeitung die ich in Xiamen im Hostel gefunden hatte bereits mein erstes Tagesziel ausbaldobert, es war eine Parkanlage die hauptsächlich aus Bambuss bestand und gemühtlich etwas außerhalb gelegen sein sollte. Als dann die Rezeption ganze 5Yuan(50 Cents) von mir für einen Stadtkarte wollte, fragte ich nach einer günstigeren Alternative. Darauf hin winkte ein Bediensteter mich aus dem Hotel und sagte er könne mir für 2Yuan eine gebrauchte Karte anbieten. Ich schlug ein (nicht auf Ihn) und Sekunden später hatte ich dann eine Karte in der Hand (leider nur komplett in Chinesisch), weitere 5 Minuten später als er anscheinend eine andere Karte mit dem Fahrrad geholt hatte, hatte ich dann meine Englische in der Hand, 20 Cents wechselten den Besitzer.

An der Rezeption löst ich dann erstmal verwirrung aus als ich dann den Bus auskundschaften wollte, da niemand bescheid wuste. Als dies dann gelöst war hatte ich derweil einen Engländer mit Namens Chris an der Rezeption kennen gelernt der sich dann mir angeschlossen hatte. Auf der Busfahrt hatte ich dann bemerkt das die hier in den Bussen Fernsehen installiert hatten (DVBT), nicht schlecht. Wir verbrachten dann 10 Minuten damit den mega großen Park zu durchwandern und sind anschliesend in einem Teehaus bei einem leckeren Wasserbier (1,5%) eingekehrt. Dann entdeckten wir einen Pfad der sich den Berg hinauf schlängelte, das ganze artete dann in einer 4 stündigen Wanderung über die Berge aus. War super, hatten eine tolle Aussicht auf die Stadt und konnten interessiert den Bauern bei der Pflege Ihrer Teefelder zuschauen. Als es beim ersten Teil der Strecke nur über Stufen den Berg hinauf ging habe ich dann alle paar Höhenmeter gedanklich ein Bier am Abend mehr bestellt, zum Schluß hatte ich dann 4 Bier und einge geröstete Ente.

Gegen Abends ging es wieder zurück und dann auf die Suche nach einem Restaurant in die Stadt. Es galt die Spezialitäten von Hangzhou auszuprobieren: "Dong Po" Schwein und Aal mit Shrimps. Ersteres war der absolute Geschmackswahnsinn, letzeres war mit Souce überzogen die so Süß war das man den Aal nicht mehr schmecken konnte. Eine weitere Besonderheit sollte auch die fritierten Kartoffeln sein. Nun bei uns würde man das Bratkartoffeln mit Knoblauch nennen, haben geschmeckte. Da ich aber nun Bratkartoffelking mittlerweile bin darf ich nur mit Stolz feststellen das meine besser sind. Die 5 nicht 4 Bier pro Nase haben dann Chris und ich am See sitzend vernichtet.

Tag 2 in Hangzhou wollten wir Fahrräder ausleihen und um den See radeln. Mit 15Yuan für 4 Stunden war das von den Kosten auch ok, nur 400Yuan Deposit? Gibt es da nicht etwas von Ratiopharm? Ich sprach darauf wieder den Bediensteten an der mir schon die Second-Hand Karte organisiert hatte. Ja klar kann er mir helfen, ich könnte sein persöhnliches Fahrrad mieten für 15Yuan am Tag und ohne Deposit. Gesagt war getan und ich hatte ein Fahrrad. Fragt nicht was für eins, das war ein Kinderklappfahrrad, Bremsen waren vorhanden, Bremsdruck auf jenen aber nicht, so musten meine Schuhe als Bremse herhalten. Außerdem konnte ich mit dem kleinen Fahrrad eh nicht so schnell fahren und musste die gesammte Zeit unentwegs trampeln. Chris hatte eine Fahrrad eine Nummer größer bekommen. War ein lustiges Bild gewesen für uns selbst wie auch für alle Tourist herum. Viele winkten uns spontan zu oder machten Bilder von uns als wir am See entlang radelten. Der See war dann aber schneller umrundet als gedacht und wir wahren zum Lunchbrake wieder im Hostel und gönnten uns ein nicht gekühltes Lightbier.

Abends zum Dinner hatte sich dann noch Oliver aus Frankreich angeschlossen der bei mir im Zimmer untergekommen war. Vorher galt es aber noch weiter Hunger anzulaufen und so sind wir durch den Tourimarkt von Hangzhou gelaufen, wo man von Glückskecksen, Glückstee, gekrillten Fleischspießen bis Kissenbezügen alles mögliche erstehen konnte. Es war übrigends Sonntag und vergaß zu erwähnen das man teilweise vor lauter Menschen den See nicht sehen konnte. Hangzhou am Wochenende sollte man meiden, da viele Shanghaier über das Wochenende raus aufs Land fahren und Erholung suchen.

Gestern war Shoppingtime, durch die Stadt schländernt haben Chris und ich einen Klamottenkette entdeckt deren Label doch sehr ähnlichem dem Fischersmann von Fishermansfriend ähnlich sieht. Nachteilig war das sie weis sind aber ok mein einziges weises T-Shirt ist mittlerweile (weil nicht separat gewaschen) eher grau. Sieht aber ganz cool aus daher lohnte es sich für 2 etwa 2 Euro 30 Cent auszugeben. Dann gab es an diversen Straßenläden noch Dumplings, gekrillte Fleischspieße, Nudeln, Reis und Fruchtcocktails alles für ein paar Yuan. Dann hatte ich mir noch mein Zugticket selbst im Bahnhofsbüro organisiert, weil das YHA etwa 20 Yuan Gebühren haben wollte und bei einem Ticketpreis von 33 Yuan ist das ein bischen witzlos. Hat geklappt und war innerhalb von Sekunden (wirklich) erledigt, so schnell gibt es bei uns am Bahnhof nicht mal die Auskunft das der Zug voll belegt ist.

Chris ist dann wieder gen Heimat in Nord-Ost China geflogen und ich bin heute morgen mit dem Zug nach Shanghai gefahren. Wo ich heute den Tag mit dem Bumeln durch die Stadt verbracht habe. Aber dazu dann mehr im nächsten Bericht und etwas über die Geschichte von Shanghai, die wohl eine der interesanntesten von China ist gibt es dann mehr (frisch aus dem Buch das ich gerade fast fertig gelesen habe).

Das war die Berichterstattung, Live aus Shanghai, wo gerade ein Chinese bei mir im Hostelzimmer bemägelt das mein Handtuch müffelt. Hat wohl ein besonders zartes Näschen ;-)

Bis bald

Philipp

P.S.: Bilder hochladen funkt gerade nicht, werde den Bericht später dann noch mit Bildern garnieren.

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